Land der verpassten Möglichkeiten

Donnerstag, 4. Mai 2006

Massenhass im Namen der Familie

In Amerika wird sehr viel Missbrauch mit dem Prinzip der Familie getrieben. Insbesondere religiös-konservative Kreise benutzen den Begriff “Familie” als Euphemismus für ihre fortschrittsfeindliche Propaganda.

Ein Beispiel dafür ist die “American Family Association“, eine erzkonservative Organisation die früher “National Federation for Decency” (Nationalvereinigung für Anstand) hieß. Sie deklariert sich selbst als “Repräsentant traditioneller Familienwerte mit Fokus auf den Einfluß von TV und anderen Medien - einschließlich Pornographie - auf die Gesellschaft”. Was genau bedeutet denn das?

In Praxis ist die AFA eine Kreuzzugvereinigung, die mit Boykotts und Beschwerdebriefkampagnen AFA boykottiert sogar Disneyalles angreift, das ihr und ihrem Weltbild nicht passt. Sie strebt die Vernichtung von allem und jedem, das nicht ihrem engstirningen Weltbild entspricht, an und versucht, “Laster” zu kriminalisieren und damit jederman ihre eigenen religiösen Standards aufzuzwingen. Hier sind ein paar Beispiele:

Die AFA rief mehrfach zu Boykotts von Ford-Fahrzeugen (einschließlich Mazda, Volvo, Jaguar) auf, weil Ford Werbung in Schwulen-Zeitschriften machte. Sie riefen zum Boykott vom Pampers-Windeln (!), Crest-Zahnpasta und Tide-Waschmittel auf, weil Herstellerfirma Procter & Gamble angeblich eine homosexuelle Agenda hat. Sie rief zum Boykott gegen Volkswagen auf weil VW Werbung während einer TV-Serie (Boston Public) macht, die nach Ansicht der AFA “schmutzig” sei.

Die Kaufhauskette K-Mart wird boykottiert, weil sie Musik-CDs, die Schimpfwörter enthalten, verkauft. Die AFA ruft wiederholt zum Boykott der Kaufhauskette Target und vieler anderer Händler auf, weil sie nicht das Wort “Weihnachten” in ihrer Werbung verwenden. Der Zeichentrickfilm “Shark Tale” verleitet Kinder angeblich, Homosexualität zu akzeptieren. Die Diätfirma NutriSystem wird boykottiert, weil sie ein Werbespot hat, in dem eine Frau in Unterwäsche einkauft. Die Homophobie der American Family Association geht so weit, daß sie sogar Disney boykottierte! Und es gibt Dutzende weiterer Beispiele.

Aber die AFA macht mehr als nur boykottieren. Sie versuchte, die Nationalstiftung der Künste zu zerstören, weil sie ein umstrittenes Buch gefördert hat. Der Hurrikan Katrina und die angerichtete Zerstörung wurden gelobt, weil sie “zügellose Sünde” ausgelöscht haben. Leute, die während des Grubenunglücks in West Virginia für die Opfer gebetet haben, wurden angegriffen, weil sie Gott nur in der Stunde der Not anbeten. Und so weiter, und so fort. Ein paar Stunden Lektüre der AFA Webseite wird nichts als Kopfschütteln und Unverständnis bei denkenden Menschen hervorrufen.

Familie, Familienwerte und Moral sind wichtige Bestandteile der heutigen Gesellschaft und fundamentale Errungenschaften der menschlichen Zivilisation. Aber ist es richtig, sie als Tarnmantel für religiös-konservative Propaganda, Fremdenhass, Kreuzzüge gegen Andersdenkende und politische Agendas zu missbrauchen? Inbesondere in einem Land, das auf dem Prinzip “all men are created equal” gegründet wurde, sich als “Land of the Free” bezeichnet und vor allem ein Einwanderungsland ist, ist eine derartige Intoleranz und Feindlichkeit unverständlich und inakzeptabel. Und leider haben diese Kräfte einen sehr großen Einfluss, kontrollieren viele Millionen von Wählerstimmen und damit die Politik und das ganze Land.

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1 Kommentar »

  1. Bestätigt nur, was schon Ken Wilber in seinem Buch: “Halbzeit der Evolution” schildert.
    Für jeden Menschen der eine gewisse Bewusstseinserweiterung erfährt, marschieren offensichtlich 10 andere in die Steinzeit zurück. Vielleicht ist das die “statistische” Erklärung für die Zunahme der Weltbevölkerung - damit die Evolution wenigstens ein Bißchen vorankommt. Und wo bleibt Gott? Nein, ER ist nicht tot.
    Es geht IHM gut.
    ER beschäftigt sich jetzt mit einem weniger ehrgeizigen Projekt.
    (aus Bewusstseinserheiterung von Marco Aldinger)

    Kommentar von masterkuki — Freitag, 5. Mai 2006 @ 14:38

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