Buy American! Über Freiheits-Fritten und Mexikanische Autos.
Mit “Sternen und Streifen” in Popkultur, in der Mode und auf den Straßen ist es kaum überraschend,
daß der Nationalismus (unter dem Mantel des Patriotismus) in den USA extrem stark ausgeprägt ist. Wohlbekannt sind der Mangel an Interesse an Dingen außerhalb der eigenen Grenzen (außer wenn man da mal jemanden “in die Steinzeit zurückbomben” kann) und die überentwickelte Selbstüberschätzung.
Eigentlich kauft ja auch der Amerikaner gerne Qualität zu guten Preisen ein (mit einer leichten Tendenz zu Quantität über Qualität). Da dies aber immer weniger amerikanische Produkte einschließt, heißt die Gegenreaktion “Buy American!” (nicht zu verwechseln mit “Kauft nicht beim Juden“).
Verfechter dieses Mottos entwickeln dabei auch einen gründlichen Hass für Mitbürger, die nicht das Licht der gleichen Sonne sehen. Bestes Beispiel dafür ist des Amerikaners liebster Ausdruck seiner selbst-eingeredeten Freiheit, das Auto. Nur zu häufig sieht man das Chevrolet-SUV oder den Ford-Pickup-Truck mit überdimensionalem “Buy American!”-Aufkleber und einem Fahrer, der angewiedert auf das Auto aus Asien oder Europa in der Nachbarspur herabsieht. Vielleicht hilft das amerikanische Logo auf dem Lenkrad dem Fahrer, für das durch das sinkende Ansehen der USA geschädigte Selbstbewusstsein zu kompensieren, aber im Prinzip beruht das auf einer völligen Ignoranz der Tatsachen. Sind es nicht Ford und General Motors die massenweise amerikanische Arbeiter entlassen und Fabrikhallen in den USA dichtmachen während die stolzen amerikanischen Autos in Mexiko gebaut werden? Und sind es nicht die Asiaten und Europäer die im Gegenzug amerikanische Arbeitsplätze schaffen und “foreign” Autos in Alabama [1][2][3], Kentucky, South Carolina usw bauen? “Buy American” um amerikanische Arbeitsplätze zu verlieren…
Aber es kommt ja noch besser. Wenn wir unseren eigenen Probleme nicht eingestehen und andere dafür blamieren wollen, brauchen wir ein Feindbild. Und wer eignet sich da besser als die Franzosen? Die sind doch immer gute Sündenböcke, auch ohne guten Grund. Da es ja nicht sein konnte, daß vielleicht die Franzosen über Irak Recht hatten und nicht die Amerikaner, machen sich dann schon mal hochbezahlte Abgeordnete stark, um alles französische aus dem amerikanischen Alltag zu verbannen. Da werden dann “french fries” (Pommes Frites) in “freedom fries” umbenannt (Moment mal - sind die nicht belgisch anstatt französisch?) und “french toast” in “freedom toast” (auch nicht französisch sondern in New York von einem Herrn French erfunden). Hah, da haben wir’s den Franzosen aber gründlich gezeigt!!
Französische Produkte wollen wir natürlich auch nicht aus Versehen kaufen. Da hilft uns diese nette Einkaufsliste, die uns für viele französische Markenprodukte amerikanische Alternativen empfiehlt. Ein großes Dankeschön an How to Buy American! Bleibt dann nur die Frage offen, wieviele der “amerikanischen” Produkte im Ausland produziert werden…
Recht putziger und interessanter Beitrag . Noch zu erwähnen , daß ohne massive Militähilfe der Franzosen George Washington den kürzeren gezogen hätte . Außerdem war er Major der britischen Armee und hätte ihn ein Leutnant der Krone gefangen , hätte er als Meuterer oder Deserteur an einer Eiche gebaumelt . Und die Freiheitsstatue war ein Geschenk Frankreichs .
Aber , unsere lieben Freunde haben einmal mehr Ihre Ignoranz unter Beweis gestellt .
Kommentar von Schuler Wilfried — Sonntag, 13. Januar 2008 @ 12:53