Land der verpassten Möglichkeiten

Samstag, 1. September 2007

Wertunterschiede

Abgelegt unter: Amerikanische Kultur, Exzerpte, Patriotismus, Politik — Frank @ 11:03

Frank Schätzing, ein in Deutschland bekannter und sehr erfolgreicher Romanautor, hat für seinen Politthriller “Lautlos” eine sehr einsichtsvolle Analyse der Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Wertvorstellungen veröffentlicht. Da diese außerhalb Europas eher schwer zu bekommen ist, möchte ich sie hier ausschnittsweise wiedergeben:

“Grundsätzlich muss man die Unterschiede betrachten, die zwischen der europäischen und der amerikanischen Wertauffassung liegen. Das Europa von heute, speziell Mitteleuropa, ist trotz rechter und linker Auswüchse von ausgleichenden Kräften geprägt. Man neigt zur Verständigung. Alle großen Parteien fahren einen mehr oder weniger gemäßigten Kurs, selbst das Verhältnis zur Kirche stellt Versöhnlichkeit in den Vordergrund. Nach Jahrhunderten und Jahrtausenden, die geprägt waren vom Erbe alter und dem Erwachen neuer Kulturen, von ständigen Grenzverschiebungen, von der Durchmischung unterschiedlichster Volksstämme, von Kreuzzügen, Revolutionen und Weltkriegen, von Primitivität und Brutalität einerseits und enormen geistigen und ethischen Errungenschaften andererseits, sind wir (vorläufig) auf einem Stand der allgemeinen Harmonisierung angelangt. Nicht, weil wir so tolerant sind, sondern weil wir erkennen, dass Toleranz und Koexistenz Sachzwänge sind.

Demgegenüber blicken die USA auf eine wesentlich jüngere Geschichte zurück. Die Weltkriege haben hier nicht stattgefunden, eine abgeklärte Rückschau auf die eigene Geschichte ebenso wenig. Die hausgemachten Probleme der Gründerzeit dauern an. Die Rassenproblematik, die unrühmliche Geschichte der Indianerkriege, die Religionsfrage, all das. In Europa haben die kulturellen Entwicklungen gemächlich stattgefunden, in den Staaten sind die Menschen aus einer Zeit archaischer Moralvorstellungen und erzreligiöser Auffassungen, provinziellen Wildwestdenkens und gesellschaftlicher Primitivität in ein High-Tech-Universum katalputiert worden — und das innerhalb kürzester Zeit, in nur zwei Jahrhunderten.

Amerika hat seine Entwicklung zwar vollzogen, aber längst nicht verarbeitet. Es brodelt, als habe die Besiedelung gerade erst stattgefunden. Und es brodelt umso mehr, als die Amerikaner mit aller Macht versuchen, es anders darzustellen, weil sie so gern auf eine lange Geschichte zurückblicken würden, die sie nicht haben (darum auch das große Interesse Amerikas an europäischer Historie und Kultur). Die USA sind zerrissen zwischen extremen Auffassungen, die Geschichte der Vereinigten Staaten geprägt von moralischer und physischer Gewalt. Das amerikanische System krankt an seiner eigenen Diffusität. Innerhalb einer machtvollen Union, die sich als Symbol der Einigkeit versteht wie keine zweite in der Welt, stehen einander fünfzig Staaten im Wege, deren Identitätsverständnis zum Teil extrem differiert. Als Folge gehen weltumspannende Interessen und globale Allmacht der USA einher mit bauerndummer Ignoranz gegenüber allem, was hinter dem nächsten Maisfeld liegt. Nirgendwo sonst in der Welt sind die Widersprüche so groß. (weiterlesen…)

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Mittwoch, 25. Oktober 2006

Presse(un)freiheit

Abgelegt unter: Allgemeines, Bush, Exzerpte, Politik, Stand der Dinge — Frank @ 15:08

Der Journalistenverband “Reporters Without Borders” hat seinen Pressefreiheitsindex 2006 veröffentlicht. PressefreiheitsindexIn diesem Jahr ist das selbsterkorene Land der Freiheit auf Platz 53 abgerutscht und erfreut sich somit solch auserlesener Freiheitsnachbarschaft wie Botswana, Kroatien, Tonga und Uruguay.

Der Bericht erläutert: “Die Beziehungen zwischen den Medien und der Bush-Regierung haben sich extrem verschlechtert seit der Präsident die nationale Sicherheit als Vorwand benutzt, jeden Journalisten, der den “War on Terrorism” kritisch betrachtet, als verdächtig einzustufen. Der Übereifer der Bundesgerichte, die sich im Gegensatz zu Landesgerichten in 33 Staaten weigern, das Recht der Medien, ihre Quelle zu schützen, anzuerkennen, bedroht sogar Journalisten, deren Nachforschungen überhaupt nichts mit Terrorismus zu tun haben.

Der selbständige Journalist und Blogger Josh Wolf wurde eingesperrt als er sich weigerte, seine Videoarchive auszuhändigen. Der der für Al-Jazeera arbeitende sudanesische Kameramann Sami al-Haj wird seit Juni 2002 ohne Gerichtsverhandlung im Gefängnis der US-Militärstation Guantanamo festgehalten. Der Fotograf Bilal Hussein der Associated Press wird von der US seit April diesen Jahres im Irak festgehalten.

Na dann: Mal immer schön diese “Freiheit” weiterverbreiten!

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Sonntag, 6. März 2005

Exzerpt - März 2005

Abgelegt unter: Deutsche Kultur in den USA, Exzerpte — Frank @ 10:40

[...] Nochmal zu ProSiebenSat1Welt: Nach den ersten drei Wochen kann ich nur sagen, daß es wirklich lohnenswert ist. Zuallererst: Keine Werbung!! Wer diese Sender in Deutschland kennt, weiß, wie nervig die häufigen Werbeunterbrechungen sind (natürlich ein Klacks im Vergleich zu amerikanischem Standard-TV). ProSiebenSat1Welt minimiert diese Unterbrechungen und bringt nur kurze Programmvorschauen, dann geht es gleich weiter. Wunderbar!

Desweiteren gibt es Bundesliga live und ungekürzt - ein Spitzenspiel am Samstag, ein anderes am Sonntag. In Deutschland gibt's das nur mit Premiere! Freitag abends ist Comedy-Zeit, von "Was guckst Du?" bis "Elton.TV". Zum Teil albern, aber eben deutsch. [...]

 

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Sonntag, 13. Februar 2005

Exzerpt - Februar 2005

Abgelegt unter: Deutsche Kultur in den USA, Exzerpte — Frank @ 23:59

[...] Gute Nachricht fuer Deutsch-Amerikaner: ProSiebenSat1Welt kann endlich über Satellit empfangen werden! Werbefreies Programm von Sat.1, Pro7, Kabel 1 und N24. Live Bundesliga-Übertragungen an jedem Wochenende, das gibts in Deutschland nur mit Premiere! DISH Network bietet endlich ein Paket mit deutschen Kanälen an. Ich bin ein begeisterter Abonnent und empfehle es weiter! [...]

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Samstag, 20. November 2004

Exzerpt - November 2004

Abgelegt unter: Bush, Exzerpte, Politik, Stand der Dinge — Frank @ 23:54

[...] Die Wahlen sind vorbei und die enttäuschenden Ergebnisse sind bestens bekannt. Amerika rückt immer mehr nach rechts, wird mehr konservativ, entwickelt sich zurück ins 19. Jahrhundert. Die Zensur wird immer schlimmer. Nach dem weit bekanntem “Skandal” bei dem aus Versehen unschuldige Amerikaner Janet Jacksons Brustwarze für den Bruchteil einer Sekunde sehen mussten (das hat sicherlich ewigen Schaden in ihrem einfältigen Leben verursacht!) und erst neulich ein neuer Skandal die amerikanische Nation auf’s tiefste erschüttert hat - bei einer Football-Werbung wurde der nackte Oberkörper einer Frau von hinten (!) gezeigt - trauen sich Fernsehstationen nicht mal mehr Kriegsfilme (Saving Private Ryan) zu zeigen! Ja, spinnen die denn alle?? Die sehen sich als das am weitesten entwickelte Land und sind moralisch kaum in die industrielle Revolution gekommen! Aber es ist völlig in Ordnung, tausende von Amerikanern und Irakern einschliesslich Zivilisten zugunste von Ölprofiten sterben zu lassen.

Und der Herr Bush fühlt sich durch die Wiederwahl so bestätigt, daß er jetzt ohne Rücksicht seine konservativen Freunde alles zukommen lassen kann. Er schimpfte auf die Demokraten als Geldausgeber und macht mehr Schulden als je einer zuvor. Der Dollar ist im Keller und ihm ist das völlig schnurzpiepegal - sein Horizont reicht nicht über die Landesgrenzen hinaus. [...]

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Freitag, 22. Oktober 2004

Exzerpt - Oktober 2004

Abgelegt unter: Bush, Exzerpte, Politik, Stand der Dinge — Frank @ 23:43

[...] Es ist schon sehr besorgniserregend, wie informiert und qualifiziert jene Amerikaner sind, die in weniger als zwei Wochen den nächsten Präsidenten (den sogenannten mächtigsten Mann der Welt) wählen. Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, daß

o 41% glauben, daß Saddam Hussein die Terroranschläge des 11. Septembers angeordnet und unterstützt hat, sogar nachdem Bush und Cheney zugegeben haben, daß das nicht der Fall war,

o 38% glauben, daß Irak Massenvernichtungswaffen hatte als die USA angegriffen hatte, sogar nachdem Bush und Cheney zugegeben haben, daß das nicht der Fall war,

o 37% glauben, daß mehrere der Terroristen des 11. Septembers Iraker waren, während kein einziger aus Irak war.

Diese Zahlen sind wesentlich größer fuer Bush-Wähler! Das zeigt mal wieder, welche Auswirkungen ein lausiges Bildungssystem, Mangel an ausgewogener Information, Zensur in den Medien und eine allgemeine Kultur der Verdummung haben! [...]

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Donnerstag, 23. September 2004

Exzerpt - September 2004

Abgelegt unter: Exzerpte, Stand der Dinge — Frank @ 23:37

[...] Ansonsten ist dieser ganze Wahlkampf in einem völlig verachtungswürdigen Zustand. Bush und Cheney sind völlig hinterhältige, unehrliche Gauner die nur ihre eigenen Interessen vertreten während Kerry und Edwards recht ausdruckslose, uninspirierende Kandidaten ohne richtige Botschaft oder Durchsetzungsvermögen sind. Der Wahlkampf ist nun nur noch eine Schlammschlacht zweier unwählbarer Kandidaten. Das traurige dabei ist, daß Bush mit seinem unehrlichen, minderbemittelten, arroganten und hinterhältigen Auftreten doch noch die Mehrheit der im Schnitt wenig gebildeten Amerikaner hinter sich bringen kann (was für eine Meisterleistung der Täuschung!) Amerika ist in einem traurigen Zustand und es ist kein Clinton oder Reagan zur Rettung da. [...]

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Donnerstag, 13. Mai 2004

Exzerpt - Mai 2004

Abgelegt unter: Exzerpte, Stand der Dinge — Frank @ 16:08

Der Aktienmarkt bereitet wieder mal kräftige Kopfschmerzen. Nachdem die USA ihre ökonomische Talfahrt beendet hat und endlich mal etwas Aufschwung zeigte, hat dieser hirngeschädigte US-Präsident mit seiner schädlichen Außen- und Innenpolitik die Hoffnungen im Keim erstickt. Da werden hunderte Milliarden Dollar für den Krieg ausgegeben die dringendst im Lande gebraucht werden. Aber in seinem minderintelligenten, arroganten Denken sind ihm anderer Leute Probleme (und deren Leben - seien es Iraker oder amerikanische Soldaten) völlig egal.

Leider ist sein Gegenkandidat selber schrecklich schwach (keiner der demokratischen Kandidaten war vielversprechend) - und Ralph Nader, der in Jahr 2000 schon Al Gore 5 Prozent der demokratischen Wählerstimmen gekostet hat, wird auch dieses mal wieder völlig unnötigerweise 5 oder 6 Prozent der linksgerichteten Wählerstimmen vom demokratischen Kandidaten wegnehmen.

Das Land hat große Probleme und niemand bietet Lösungen an. Die perfekte Welt fuer korrupte, gierige Gauner um eine Herde untergebildeter, übergewichtiger Schwachköpfe zu regieren deren Interessen nicht ueber das SUV vor dem Haus und dem Sport im Fernsehen hinausgehen und deren Weltbild auf einfach zu verstehende, konservative Parolen beruht aus denen die Deutschen schon vor 60 Jahren herausgewachsen sind.

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